Tipps für Selbermacher
Grafik statt Text?
Einer der wichtigsten Gründe, warum das Internet innerhalb weniger Jahre so populär wurde, so heißt es, besteht darin, dass nicht nur Text, sondern vor allen Dingen auch Grafiken integrierbar sind. An diese These ist sicher etwas Wahres dran. Allerdings sollte man sich der Gefahren, die in der Verwendung von Grafik im Rahmen der eigenen Präsenz liegen, bewusst sein.
In den Artikeln zur Bildschirmauflösung und zur Schriftgröße habe ich bereits darauf hingewiesen, dass es nicht einfach ist, Seiteninhalte so zu gestalten, dass sie auf möglichst vielen Bildschirmen und in möglichst vielen Browsern gut aussehen. Da liegt es sicher nahe, darüber nachzudenken, wie man tatsächlich allen Besuchern genau das präsentiert, was man auch selbst auf dem eigenen Bildschirm sieht.
Die Lösung ist eigentlich ganz einfach: Bild statt Text!
Generieren Sie aus ihren Texten Grafiken, die genau die Abmessungen aufweisen, die Sie für Ihre Seiten vorgesehen haben. Verwenden Sie darin genau die Schrift, die Ihnen gefällt. Egal, welchen Browser der Besucher verwendet, egal, welche Bildschirmauflösung er bevorzugt, stets erscheint Ihre Seite so, wie Ihr Layout es definiert.
Wenn Sie gestalterisches Gefühl haben, realisieren Sie auf dieser Basis eine Website, die dem Layout eines Werbeprospektes gleicht, grafisch »durchgestylt« ist, sich bei Ihren Besuchern einprägt und bleibenden Eindruck hinterlässt. Wenn Ihr Budget es erlaubt, können Sie Ihre Seiten in Varianten für verschiedene Bildschirmauflösungen optimieren, so dass stets die optimale Version zu sehen ist.
Zurück zur Realität
Natürlich meine ich diese Ratschläge nicht ernst, auch wenn es solche Seiten tatsächlich in beeindruckend großer Zahl gibt. Meiner Meinung nach ist das Internet keine Ansammlung gedruckter Broschüren und wird dies auch nie werden. Ich denke, es gibt eine Reihe guter Gründe, die gegen den exzessiven Einsatz von Grafik sprechen.
Grafiken sind im Vergleich zu Text in Bezug auf den benötigten Speicherplatz um ein Vielfaches größer. Beim Einsatz von Textgrafiken steigen die Ladezeiten drastisch an. Ihre Seiten werden nicht nur für Sie selbst, sondern auch für Ihre Besucher teurer.
Suchmaschinen, denen das Internet einen Großteil seiner Effizienz verdankt, können mit Grafiken nichts anfangen. Ihre Seiten bleiben weiße Flecken auf den Landkarten des World Wide Web.
Text, der in ein Bild verwandelt wurde, kann nur von Menschen gelesen werden; dies gilt aber auch nur dann, wenn die Schriftgröße dem Sehvermögen der Besucher entspricht. Traditionelle Grafiken kann der Besucher nicht skalieren und an seine Umgebungsbedingungen anpassen. Wer Bilder nicht sehen mag, oder wer sie nicht sehen kann, also Nutzer von Text- und Sprachbrowsern, bleibt sowieso außen vor.
Grafik ist darüber hinaus in der Herstellung teuer. Dies gilt nicht nur für die erste Version Ihrer Seiten. Denn jedesmal, wenn sich nur ein Detail, ein einziges Wort Ihrer Inhalte ändert, müssen Sie unter Umständen mehrere Grafikblöcke erneuern. Da kann selbst eine kleine Korrektur richtig ins Geld gehen.
Randnotiz zu Flash und Co.
In diesem Zusammenhang möchte ich noch ein paar Worte über Inhalte im Flash-Format verlieren. Flash ist eine Modeerscheinung, die viele Präsenzen verwenden, um gestalterisch einen besonders professionellen Eindruck zu machen. Flash-Module passen sich automatisch allen Bildschirmgrößen an und erlauben die skalierte Darstellung aller Inhalte. Außerdem lassen sich mit Flash-Programmierung eindrucksvolle Effekte herstellen, die an ablaufende Filmsequenzen erinnern und trotzdem im Rahmen vernünftiger Ladezeiten bleiben.
Ich – wie auch viele andere – mag sie trotzdem nicht, die Seiten im Flash-Format. Denn auch hierfür gilt: Sie mögen Besucher beeindrucken, die Sie zuvor gefunden haben. Flash bleibt allerdings genauso wie traditionelle Grafik für Suchmaschinen nicht erfassbar. Sie bleiben allein auf ihrer Insel im Internet.
Davon einmal abgesehen, benötigt man zum Ansehen von Flash besondere Zusatzmodule für den Browser, sogenannte Plug-Ins. Sonst sieht man gar nichts. Eine ganze Menge Websurfen verfügen nicht über diese Erweiterung und wollen sie auch gar nicht haben. Das Gleich gilt auch für die beliebten Inhalte im Quicktime-Format.
Denken Sie darüber nach, ob Ihre Webseiten eher ein Videospiel darstellen, oder informieren sollen.
Resümee
Welche Ratschläge sollte man also in Bezug auf den Einsatz von Grafik beherzigen? Ich empfehle, stets zu prüfen, ob bestimmte grafische Effekte tatsächlich notwendig sind, um Inhalte zu unterstreichen. Von Flash-Seiten rate ich grundsätzlich ab, und von Seiten, die viele, bunte, womöglich noch animierte Bildchen enthalten, halten ich ebenfalls nicht viel. Bilder sollten zum Inhalt gehören (etwa bei Seiten über Fotografie), oder zumindest stilistische Hilfsmittel darstellen, um besondere Themengebiete zu unterstreichen (zum Beispiel eine rustikale Rahmengestaltung für die Seiten einer Country Band). Im Zweifel folge ich der Devise: »Weniger ist mehr«. Dies gilt nicht nur für die Anzahl der Grafiken, sondern im Besonderen auch für die Anzahl der verwendeten Farben.
Mein Ansatz mag minimalistisch, auf manchen Leser gar langweilig wirken. Dennoch bleibe ich dabei: Inhalte im Internet leben von Texten, nicht von Bildern. Ansprechende Gestaltung lässt sich auch auf Basis von Text realisieren, wenn auch nicht so spektakulär wie mit Grafik.




