Tipps für Selbermacher
Schriftgrößen — immer falsch?
Die Wahl von Schriftart und Schriftgröße sind neben der Farbenauswahl zwei Faktoren, die das Erscheinungsbild von Internetpräsenzen ganz entscheidend prägen. In diesem Artikel will ich mich der Diskussion über Größen von Bildschirmschriften stellen.
Vorbei sind die Zeiten, als Webgestaltern sieben Größenstufen für Text zur Verfügung standen. Damals benutzte man das SIZE-Attribut des FONT-Tags, das zwischen 1 und 7 wählbar war. Mittlerweile hat die Verwendung dieser Methode nur mehr historische Bedeutung. Über die Style-Angaben in CSS kann heute mit einer Vielzahl von Varianten experimentiert werden.
Style-Angaben erlauben es, unter font-size jedem Textelement eine Größe zuzuordnen. Zur Auswahl stehen am Bildschirm orientierte Angaben (px), aus der Printwelt stammende Maße (pt oder pc), aus dem Leben gegriffene Höhenangaben (cm oder in) und relative Bemessung in Prozent oder dem magischen em.
Der Streit, welche Methode denn nun die beste sei, ist zwischen Gestaltern in vollem Gange. Dass es überhaupt zu Auseinandersetzungen kommen konnte, ist den Herstellern der gängisten Internetbrowsern zu verdanken. Denn welche Größenangabe man nun auch nutzt, Internet Explorer, Netscape und Opera interpretieren sie doch immer unterschiedlich und zeigen Webseiten selten in gleicher Weise an.
Zur »festen« Dimensionierung
Die einen schwören auf feste Größenangaben, meistens in pt, manchmal auch in px. Schließlich bleibe ein Point ein Point, so argumentieren sie. Mit festen Angaben zur Buchstabenhöhe hätte man die beste Kontrolle über den Textfluss. Dies gilt vor allen Dingen, wenn man den Bildschirmbereich, in dem Inhalte angezeigt werden ebenfalls mit fester Breite versieht.
Ein Problem, das auch im Kapitel zur Bildschirmauflösung angesprochen wird, besteht darin, dass Text mit fester Schriftgröße unter verschiedenen Bildschirm-Pixelbreiten natürlich nicht gleich groß angezeigt wird. Wenn unter 800×600 Text mit 8pt noch gut lesbar ist, so gilt dies sicher nicht mehr für 1280×1024 Pixel.
Andererseits wird Text mit 14pt, der unter hohen Auflösungen angenehm zu lesen ist, bei niedriger Pixelbreite aufdringlich groß wirken. Wer mit fester Schriftgröße arbeiten will, ist wahrscheinlich mit Text zwischen 9pt und 11pt als Kompromisslösungen noch am besten beraten.
Verlassen kann man sich als Gestalter auf eine angeblich feste Größendarstellung so oder so nicht, da etwa der Internet Explorer auch bei Änderung des Schriftgrades unter dem Menüpunkt Ansicht bei den vorgegebenen Angaben in pt oder px bleibt, Netscape und Mozilla dagegen trotzdem skalieren, wenn man unter Ansicht den Textzoom variiert.
Relative Dimensionierung
Deshalb setzt eine andere Fraktion der Webdesigner auf relative Angaben. Verwendet man etwa em für die Schriftgröße, so wird der Text relativ zum Elternelement skaliert. Das heißt, ein Textabschnitt mit 0.9em misst in seiner Höhe nur neunzig Prozent des umgebenden Textes.
Woran orientieren sich Browser, wenn kein Elternelement existiert? Dann gilt die Angabe, die der Besucher festgelegt hat. Surfer, die standardmäßig gerne Text in 12pt lesen, sehen bei Abschnitten mit 0.9em 11pt; oder auch nur 10pt, Rundung ist vom Browsertyp abhängig.
Das Verwenden von em hat Vorteile. Gestalter brauchen sich nicht mehr um die Problematik mit der Bildschirmauflösung zu kümmern, die Besucher etwa auch Sehbehinderte ihrer Seiten können Schriftgröße ganz nach ihren Bedürfnissen einstellen. Andererseits ist das wunderschön austarierte Design dann oftmals zum Teufel, wenn auf dem Bildschirm riesige Buchstaben erscheinen und Zeilenumbrüche nach jedem Wort nicht ausreichen, um ein Überfließen von Text zwischen verschiedenen Spalten zu verhindern.
Ein weiteres Problem relativer Schriftgrößen entsteht beim Einsatz unterschiedlicher Schriftarten. Stehen nämlich verschiedene Schriften jeweils unter 1em proportional in einem angenehmen Größenverhältnis zu einander, so ist dies bei 0.9em nicht mehr unbedingt gegeben.
Ein Fazit?
Ich selbst kann mich keiner der beiden im Widerstreit liegenden Gestaltergilden fest zuordnen. Beide Theorien haben ihre Vor- und Nachteile. Deshalb setze ich feste und relative Schriftgrößen je nach Art der getalteten Website ein:
Richtet sich eine textlastige Präsenz an ein sehr breites Publikum, so ordne ich Text in wenigen Spalten an, möglichst nur in einer einzigen, und verwenden relative Größenangaben. Steht dagegen die harmonische Ausgewogenheit des Textes sozusagen als grafisches Element im Vordergrund, dann tendiere ich zu festen Größenangaben.
Eine allein selig machende Standardlösung haben auch ich leider nicht parat.




